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Jakob Thalheimer

Jakob Thalheimer wurde am 6. Juni 1926 in der deutschen Gemeinde Torschau in der Batschka geboren. Sein Vater, Jakob Thalheimer, der seinem erstgeborenen Sohn traditionsgemäß seinen eigenen Namen gab, und seine Mutter Maria, geborene Schell, waren Inhaber einer Gastwirtschaft in Torschau. Der ältere Herr Thalheimer war Wirt und Geschäftsmann, außerdem noch Sekretär vom Wirteverband, Sekretär der Torschauer Urbarialgemeinschaft, ehrenamtlicher Staats-Steuerkassier und ein ausgezeichneter Fußballspieler. Ihr zweiter Sohn, Roland, wurde in 1929 geboren.

Torschau war eine deutsche Gemeinde, die in 1940 ungefähr 3 800 Einwohner zählte. Es war dies in 1784 die erste protestantische Siedlung unter Joseph II. Nach dem 1. Weltkrieg wurde Torschau aus der Österreichisch-Ungarischen Monarchie in den neugegründeten Staat Jugoslawien eingegliedert. Trotz allem politischen Druck blieb Torschau aber deutsch. Wegen seiner schönen Lage und seiner flächenmäßig großzügigen Aufteilung erhielt Torschau den ersten Preis auf der Weltausstellung in Barcelona in 1928. Schon in 1913 wurde in Torschau ein Kraftwerk gebaut, das die ganze Gemeinde mit Strom versorgte. Auch gab es Kalk- und Ziegelbrennereien, Zement- und Kunststeinfabriken, Kleinbetriebe und industrielle Anlagen für die Bearbeitung landwirtschaftlicher Produkte, unter anderem auch drei Mühlen und einige Hanffabriken. Aber der Reichtum der Gegend kam von dem fruchtbaren Boden, den ihre Ahnen urbar gemacht hatten, und von dem Fleiß der Leute, die ihn bearbeiteten. Nur um ein Beispiel zu nennen, in 1944 wurde in Torschau eine Weizenernte von ungefähr 14 000 Tonnen eingebracht; seit Kriegsende mußte in dieses fruchtbare Land Weizen in großen Mengen eingeführt werden.

Jakob Thalheimer ging in die deutsche Volksschule seiner Heimatgemeinde, dann besuchte er in die serbische Mittelschule in Kula für drei Jahre und anschließend das Gymnasium in Neu-Werbas, wo er in 1944 das Abitur machte. Vom Sommer 1944 bis zum Kriegsende war er Soldat beim Deutschen Heer an der Ostfront. Er wußte schon, daß seine Eltern geflüchtet waren, da er aber keinen anderen Anhaltspunkt hatte, kehrte er nach dem Ende des Krieges wieder nach Torschau zurück. Dort wurde er sofort interniert und verbrachte über ein Jahr im Zwangsarbeitslager in Sombor, bis er im August 1946 von dort entkommen konnte und über Ungarn in die amerikanische Besatzungszone Österreichs flüchtete.

Als inzwischen die Ostfront wie ein rollendes Gewitter immer näher kam, wurde am 9. Oktober 1944 Torschau evakuiert. Mit 106 von Pferden gezogenen Wagen und 6 Traktoren begann der Trek der Flüchtlinge westwärts über Ungarn und Österreich, dann nördlich über die Tschechei nach Schlesien. Als sie auch dort von der Front eingeholt wurden, mußten sie zum zweiten Mal flüchten. Südlich über die Tschechei bis nach Stadlau bei Wien und dann westwärts nach Oberösterreich, wo sie in Eberschwang einquartiert wurden und das Kriegsende erlebten.

In Eberschwang war es auch, wo Jakob Thalheimer seine Familie wieder fand. Auch fand er dort Arbeit im Straßenbau und als industrieller Hilfsarbeiter, bis sich die Gelegenheit bot, sein Studium an der Technischen Hochschule Graz fortzusetzen, wo er von 1949 bis 1954 Bauingenieurwesen studierte.

In Eberschwang lernte er auch Maria Stemper kennen, die dort in einem Geschäftshaushalt arbeitete. Maria war das einzige Kind des aus der Ortschaft Kleinbetschkerek im rumänischen Banat stammenden Ehepaars Lambert und Magdalena Stemper, geborene Hummel.

Im Sommer 1951 entschied sich die Familie Stemper, nach Amerika auszuwandern. Sie verließen Eberschwang im November 1951, kamen per Schiff im Dezember in New Orleans an und bauten sich in St. Louis ihre neue Heimat auf. Inzwischen blieben Maria und Jakob brieflich in Verbindung. Nach 1½-jährigem Aufenthalt in Amerika fuhr Maria wieder nach Österreich zurück, und im November 1953 heirateten die beiden in Graz. Maria mußte jedoch die Rückreise nach Amerika allein antreten. Erst nach einem Jahr wurde Jakob die Einreise in die Vereinigten Staaten genehmigt und er kam im Dezember 1954 in St. Louis an. So begann um Weihnachten 1954 der Lebensabschnitt der Familie Thalheimer in der Neuen Welt.

Wie viele unserer Leute, so nahm auch Jakob Thalheimer an den Abendkursen in der Roosevelt High School teil, um Englisch zu lernen. Als er bei einer Firma Arbeit fand, die in industriellen Klimaanlagen tätig war, studierte er dieses Fach für ein Jahr auf der Washington University. Später arbeitete er fünf Jahre an den Silo-Klimaanlagen für das Minutemen Missile Project, und in den letzten zwanzig Jahren seiner beruflichen Laufbahn war er als Mechanical Engineer und Engineering Principal im Bauamt von St. Louis County tätig. In 1990 ging er in den Ruhestand.

Eineinhalb Jahre nach seiner Einwanderung kamen seine Eltern und kurze Zeit später auch sein Bruder Roland und Familie in St. Louis an. Inzwischen wurde aber auch die eigene Familie größer: Helga wurde im Dezember 1955 geboren, dann kam Monika im Juni 1958 und Linde im August 1964. Heute haben sich auch noch drei Enkelkinder dazugesellt: Alexandra, Katerina und Wesley.

Als er beruflich auf festem Boden stand, begann er, sich am deutschen Vereinsleben in St. Louis aktiv zu beteiligen. So wurde er im April 1961 Mitglied der damaligen American Aid Society, die sich - unter seiner Mitarbeit - in 1969 in den Deutschen Kulturverein umorganisiert hatte. Er stand durch seinen Ideenreichtum und Fleiß hervor und diente im Laufe der Jahre in fast jedem Amt. So wurde er in 1989 Präsident des Vereines und in 1993 Ehrenpräsident auf Lebenszeit. Seit 1992 ist er Präsident der Mid-West Region im Verband der Donauschwaben USA.

Seine größten Leistungen waren die Gründung des Deutschen Schulvereines in St. Louis und die Errichtung des Mahnmals im Sunset Memorial Park, das seiner Idee entstammte und bei dessen Planung und Bau er die treibende Kraft war. Er wollte den Schulverein als einen selbständigen, unabhängigen Verein gründen, wo Mitglieder aller deutschen Vereine in St. Louis und auch Interessenten ohne jegliche Vereinszugehörigkeit am Unterricht in der deutschen Sprache teilnehmen konnten. Über die Gründung und den Erfolg des Schulvereines folgt ein Bericht in der nächsten Ausgabe des Newsletters.

In einer Zeit, wo so viel von der Verletzung der Menschenrechte anderer Nationalitäten berichtet wird, wollte er dem stillen Leiden der Heimatvertriebenen und der Donauschwaben ein Denkmal setzen, den einfachen, fleißigen Leuten seiner Heimat, deren einziges Verbrechen es war, deutsch gewesen zu sein.

Das Mahnmal der Donauschwaben und der Heimatvertriebenen, das am 24. Oktober 1993 in öffentlicher christlicher Feier im Sunset Memorial Park in St. Louis enthüllt und eingeweiht wurde, trägt die Inschrift:

Zur ehrenden Erinnerung an die Siedlerahnen,
an die Toten der alten Heimat,
an die gefallenen Soldaten,
an die Verschleppten, Gefangenen und Vertriebenen,
die unschuldig ihr Leben lassen mußten.
Unrecht ist niemals recht.

Und so wollen wir uns bei dem Mann bedanken, der unermüdlich mit Ratschlag und helfender Hand dabei war, die Ziele des Vereines zu fördern, die Jugend am Verein zu interessieren und damit auch das kulturhistorische Erbe für die nächste Generation zu bewahren.

… Jakob Thalheimer … Jaksch … you really made a difference. Thank you.


General information on Torschau based on the book "Bilddokumente Torschau"
Background information provided by: Sepp Neulinger & Roland Thalheimer.
Written by: Nikolaus Messmer.
Reprinted from the November 97 issue of the DKV-Newsletter, volume 7.3


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