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- Die Mühlenberg-Legende
- Auszug aus Sprachen
und Kulturen der Deutschstämmigen in den USA
von Christiane Hespe.
Für den Einstieg in das Thema wird zuerst die Legende angeführt,
die in dieser Arbeit nicht fehlen darf. Es ist die weit verbreitete
und sehr hartnäckig in den deutschen Köpfen verankerte
Mühlenberg-Legende, die besagt, daß die deutsche Sprache
beinahe mal Staatssprache geworden wäre, weil sie mit nur
einer Stimme der englischen Sprache unterlegen war. Das soll
in den Tagen der Revolution im 18. Jahrhundert geschehen sein,
in denen es zu einer vermeintlichen Abstimmung über die
Staatssprache gekommen ist und Englisch und Deutsch zur Wahl
standen. Als es dann zunächst eine Stimmengleichheit gegeben
hat, hat ironischer Weise ein Deutscher namens Mühlenberg
die entscheidende Stimme für das Englische gegeben. Aber
das ist bewiesenermaßen nur eine Legende.(1)
Der Ursprung dieser Legende wird von verschiedenen Autoren auf
unterschiedliche Ereignisse zurückgeführt, doch sie
beruht bei allen Autoren auf einer wirklichen Begebenheit.(2)
Eine weitverbreitete Ursprungsversion ist die tatsächlich
geschehene Abstimmung in Virgina von 1794, bei der es darum ging,
eine öffentliche Fassung der Gesetze in Deutsch zusätzlich
zur der in Englisch herauszugeben.(3) Ein Jahr später ist
dieser Vorschlag vom Kongreß nur knapp abgelehnt worden.
Angeblich hat der Sprecher des Hauses, ein Herr Frederick A.
Mühlenberg, ein Amerikaner deutscher Abstammung, die entscheidende
Stimme gegeben.(4) Nach ihm ist deswegen die Legende benannt
worden.
Interessant für diese Arbeit ist nicht nur die Legende selbst,
sondern auch ihre weitverbreitete Bekanntheit. Sehr viele Menschen
haben schon einmal etwas von dieser Legende gehört, und
irgendwie glaubt jeder auch ein wenig daran.
Jeder wird dazu seine eigenen Überlegungen haben. Vielleicht
ist es Stolz und Verwunderung darüber, daß die deutsche
Sprache eine Chance hatte Staatssprache zu werden. Diesen Gedanken
weiterzudenken bedeutet ein völlig anderes Weltbild zu erschaffen.
Die deutsche Sprache hätte sich über Amerika hinaus
verbreitet, und es wäre heute alles, was englisch ist, deutsch.
Alle bekannten Persönlichkeiten aus USA würden deutsche
Namen tragen und deutsch sprechen, Menschen aller Welt würden
vermutlich als erste Fremdsprache Deutsch lernen, Sänger
würden heutzutage überwiegend auf deutsch singen, im
Internet würde die deutsche Sprache dominieren usw. Dieser
Gedanke hat seine Reize, denn es ist sehr verlockend, seine Muttersprache
in einer so bekannten und machtvollen Position zu sehen. So weit
konnte es aber nie kommen. Die deutsche Sprache hat eine ganz
andere Entwicklung durchlaufen.
(1)(2) Eichhoff, in: Trommler, Amerika und die Deutschen, 1986,
S. 235-252.
- (3) Solche Abstimmungen haben
im 19. Jahrhundert nachweislich in mehreren Staaten stattgefunden.
Vgl.: Eichhoff, in: Trommler, Amerika und die Deutschen, 1986,
S. 235-252.
- (4) Längin, Eckartschriften,
S. 93.
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Reprinted with the permission of the author.
- Reprinted from the
July 2001 issue of the DKV-Newsletter, volume 2001.2
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